Zumindest im popkulturellen Sinne war die Idee der Anarchie entweder durch eine Punk-Haltung mit erhobenem Mittelfinger auf die Gesellschaft, ohne Eltern und ohne Regeln oder durch eine panische, konservativere Haltung gekennzeichnet. Anarchie repräsentiere gewalttätiges Chaos und Unordnung.

Was ist Anarchismus?

Der Anarchismus ist eine radikale, revolutionäre linke politische Philosophie, die sich für die Abschaffung von Regierung, Hierarchie und allen anderen ungleichen Machtsystemen einsetzt. Anarchie versucht das, was seine Befürworter als von Natur aus unterdrückende Institutionen ansehen - wie eine kapitalistische Gesellschaft oder den Gefängnis-Komplex - durch nicht-hierarchische, horizontale Strukturen zu ersetzen, die von freiwilligen Vereinigungen zwischen Menschen angetrieben werden. Anarchisten organisieren sich nach einer Reihe von Grundsätzen, darunter Horizontalismus, gegenseitige Hilfe, Autonomie, Solidarität, direktes Handeln und direkte Demokratie. Eine Form der Demokratie, in der das Volk selbst Entscheidungen im Konsens trifft und daher im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie steht, von der die Vereinten Nationen Gebrauch machen.

Woher stammt der Anarchismus?

Der Anarchismus hat antike Wurzeln, wobei das Wort selbst aus dem alten griechischen Anarchos stammt, was lose als „ganz ohne Herrscher“ übersetzt werden kann. Aber erst im 19. Jahrhundert blühte die Anarchie als politische Philosophie in Europa und den Vereinigten Staaten vollständig auf. Zu dieser Zeit waren die Schriften des kommunistischen Denkers Karl Marx populär geworden und die Menschen suchten nach Alternativen zum kapitalistischen System. Die Pariser Kommune trug dazu bei, die Botschaft des Anarchismus weiter zu verbreiten und inspirierte mehr junge Radikale sich der Sache anzunehmen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich der Anarchismus auf der ganzen Welt verbreitet, aber die Unterdrückung durch die Regierung machte es Anarchisten oft schwer, ihre Ziele zu organisieren und zu erreichen. Pierre-Joseph Proudhon gilt allgemein als der erste selbsternannte Anarchist und seine Theorien beeinflussen das anarchistische Denken auch heute noch. Eventuell haben Sie bereits einmal den Satz "Eigentum ist Diebstahl" gehört haben, der direkt aus Proudhons Buch What Is Property von 1840 stammt. Aber Proudhon war bei weitem nicht der einzige prominente Denker, der die Anliegen der Anarchie voranbrachte. William Godwins Abhandlung von 1793, Eine Untersuchung zur politischen Gerechtigkeit, wird als Klassiker des Anti-Staatlichen, proto-anarchistischen Denkens gepriesen. Andere berühmte Mitwirkende an der Entwicklung des Anarchismus sind Peter Kropotkin, Michail Bakunin, Emma Goldman, Lucy Parsons, Voltairine De Cleyre, Max Stirner, Johann Most, Buenaventura Durruti und Alexander Berkman. Zusätzlich zu diesen Namen haben unzählige andere, deren Identität der Geschichte verloren gegangen ist dazu beigetragen, die Ideologie des Anarchismus zu verfeinern und zu verbreiten. Heute ist der Anarchismus eine vollständig globale, intersektionale Philosophie mit besonders starken Wurzeln in Lateinamerika, Spanien, Deutschland und ab 2012 im Nahen Osten, bedingt durch die Rojava-Revolution 2012 im besetzten Kurdistan. Anarchismus als Philosophie eignet sich für viele Ideen. Es gibt keinen Weg ein Anarchist zu sein.