In der Bundesrepublik Deutschland haben sogenannte Spaßparteien mittlerweile lange Tradition und es auch schon hin und wieder zu nennenswerten Achtungserfolgen gebracht. Grundsätzlich hat jeder deutsche Bürge das Recht eine Partei zu gründen. Das Parteiprogramm und dessen Statuten müssen dazu dem Bundeswahlleiter bekanntgegeben werden. Dieser muss es als Verfassungskonform einstufen. Sobald dies erfolgt ist, müssen noch mehrere Tausend Stimmen an Unterstützungserklärungen gesammelt werden, wobei nicht genau definiert ist, wie viele Stimmen es genau sein müssen. Erste Spaßparteien wurden von der deutschen Politik Mitter der 80er Jahre noch verhindert, wobei die damaligen Begründungen dahingegen lauteten, dass die ernsthaften Absichten der Parteien nicht gesehen werden konnte und die Politik im Allgemeinen somit ins lächerliche gezogen würde.

Die erste Teilnahme an einer Wahl

Es dauerte noch bis ins Jahr 2002 hinein, bis eine Satirepartei an einer Wahl teilnehmen konnte. Die Partei „Spaßpartei für Deutschland“ trat in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt an den dortigen Landtagswahlen teil und erreichte jeweils weniger als einen Prozentpunkt aller Stimmen. Ihr Wahlprogramm war auf „Energy Drinks für das Arbeitsamt“ ausgelegt und erhielt nur wenig Zuspruch in der Bevölkerung. Erst mit der APPD kam mehr Schwung in politische Satireparteien. Der APPD gelang es als erste Spaßpartei die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ernsthaft mit dem Thema Satire in der Politik zu arbeiten. Die Pionierarbeit des Kassierer-Sängers Wendland im deutschen politischen Prozess ist also nicht hoch genug zu würdigen.

Die Partei „Die Partei“

Mittlerweile wohl weltweit bekannt ist die deutsche Satirepartei „Die Partei“. Deren Gründer war zuvor Chefredakteur des Titanic Magazins, welches als Leitmedium der Satire im deutschsprachigen Raum gilt. Bei den EU-Wahlen 2010 konnte Martin Sonneborn so viele Wähler zum Urnengang mobilisieren, dass er und seine Partei eine Stimme im EU-Parlament erhalten hat. Dort deckt er seither politische Machenschaften auf und gilt als Querulant. Deutsche Medien beobachten das umtriebige Schaffen des Politikers und Satirikers genau und begleiten dieses häufig auch dokumentarisch. Durch diese enorme TV- und Internetpräsenz ist es der Partei „Die Partei“ gelungen bei der vergangenen EU-Wahl noch mehr Stimmenanteile zu lukrieren. Deshalb sind mittlerweile 2 Parteimitglieder als EU-Politiker engagiert. Neben Sonneborn selbst ist nun mit Nico Semsrot ein ebenfalls als Satiriker bekannter Deutscher Repräsentant der BRD im EU-Parlament. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zu anderen politischen Strömungen hin gehört man im europäischen Parlament keiner Fraktion an und gilt daher als Einzelkämpfer. Die Partei tritt mittlerweile auch bei Wahlen auf Landtagebene an. Ziel ist es auch dort stetig Stimmenanteile zu gewinnen und eine möglichst breite Bevölkerungsschicht für ihre Anliegen zu begeistern.